04.07.2025
Rund 90 Interessierte folgten am 3. Juli 2025 der Einladung des Regionalbüros von dem Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Müller, zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion. Thema des Abends war, wie rechtspopulistische und rechtsextreme Gruppen versuchen, gezielt Einfluss auf die Landwirtschaft zu nehmen.
Unter dem Titel „Zwischen Mistgabel und Meinungsmache – Rechtsextreme Tendenzen in der Landwirtschaft und was Bäuerinnen und Bauern dem entgegensetzen“ gaben Undine Kurth (Stiftung Naturschutzgeschichte) und Ottmar Ilchmann (Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft) Einblicke in Netzwerke, Strategien und Gefahren, die von rechts ausgehen – und wie sie gezielt Sorgen und Frustrationen von Landwirt:innen instrumentalisieren.
Hans-Jürgen Müller, selbst Landwirt und Abgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen im Hessischen Landtag, machte in seiner Begrüßung deutlich, dass er sich nicht vorstellen konnte, einmal in dieser Form vor einer derartigen Bedrohung warnen zu müssen. Er schilderte persönliche Erfahrungen aus dem Parlament, wo rechtspopulistische Abgeordnete grundlegende wissenschaftliche Fakten leugnen und damit jede sachliche Debatte erschweren.
In den Vorträgen wurde eindrücklich erklärt, warum gerade die Landwirtschaft ein Ziel neurechter Akteure ist: Landwirtschaft ist traditionell eher konservativ geprägt, steht für Heimatverbundenheit, Besitz und Ernährungssicherheit – Werte, die leicht emotional aufgeladen werden können. Die Referent:innen zeigten, wie rechte Gruppen gezielt Ängste vor Bürokratie, Globalisierung und Preisverfall aufgreifen und mit Feindbildern gegen Medien und Politik anreichern. Besonders kritisch beleuchtet wurden auch die Bauernproteste der letzten Jahre, bei denen demokratische Forderungen teilweise mit rechtspopulistischen Narrativen vermischt wurden.
Einig waren sich die Vortragenden darin, dass die größte Gefahr aktuell von der AfD ausgeht, die mit einfachen Parolen punktet, aber inhaltlich widersprüchliche oder sogar für Landwirt:innen schädliche Forderungen aufstellt. „Rechtsextreme Kräfte wollen nicht nur Reformen, sondern eine autoritäre Gesellschaftsordnung“, so Undine Kurth.
Die Veranstaltung zeigte aber auch Wege auf, wie Zivilgesellschaft, Verbände und Politik gegensteuern können: Durch klare Abgrenzung, offene Diskussion, solidarische Netzwerke und Aufklärung über die tatsächlichen Programme rechtspopulistischer Parteien. Ein starkes Beispiel aus Niedersachsen wurde vorgestellt: Dort hatten verschiedene landwirtschaftliche Verbände gemeinsam öffentlich erklärt, Protest dürfe nur auf demokratischer Grundlage stattfinden.
Zum Abschluss appellierten die Referent:innen, nicht zu schweigen, sondern Haltung zu zeigen – im eigenen Umfeld, in Vereinen und in Verbänden. Denn wie ein Teilnehmer zusammenfasste: „Demokratie ist kein Selbstläufer – sie braucht unser aktives Engagement.“








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