Die HNA und andere Medien berichteten kürzlich über die Zulassung einer gentechnisch veränderten Banane in Australien. Dort hatte ein Forschungsteam eine gentechnisch veränderte Linie der Cavendish-Banane entwickelt, die resistent gegen den Pilz TR4 sein soll. Diese wurde jetzt in Australien für den menschlichen Verzehr freigegeben. In mehreren Presseberichten wurde dies als die Rettung für den weiteren Anbau der sehr beliebten Exportfrucht dargestellt.
Weltweit hat der Bananenanbau für den Export derzeit auf eine einzige Sorte gesetzt: die Sorte Cavendish. Diese Sorte ist jetzt von einem Pilz (TR4) bedroht, der sich langsam ausbreitet und sich nicht mit Pestiziden bekämpfen lässt. Cavendish macht in Deutschland 99% der verkauften Bananen aus.
Das Regionalbüro des Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Müller, hat hierzu Prof. Dr. Bürkert, Professor für tropische und subtropische Landwirtschaft an der Uni Kassel/Witzenhausen befragt. Prof. Dr. Bürkert, ebenfalls Direktor des Gewächshauses für tropische Nutzpflanzen in Witzenhausen, sieht nicht die Neue Gentechnik, sondern mehr Sortenvielfalt als die einzige dauerhafte Lösung. „Die australische Gen-Technikbanane mit Resistenz gegen TR4 ist bekannt, sie wird aber, wenn überhaupt nur eine vorübergehende Alternative in den rasch wachsenden TR4-Gebieten werden können. Nach wie vor bin ich der Überzeugung, dass nur ein genetisch diverserer Anbau (Sortenmischungen) eine dauerhafte und ökologisch sinnvolle Lösungsalternative für den Intensivanbau von Speisebananen bietet. Diese wird allerdings zu für den Verbraucher/ die Verbraucherin teureren Bananen führen, weil die Transport- und Lagerungsprozesse aufwändiger werden.“
Hans-Jürgen Müller, agrarpolitischer Sprecher der Grünen im hessischen Landtag ergänzt: „Genauer betrachtet ist es nicht verwunderlich, dass eine Monokultur, die weltweit nur auf eine einzige Sorte setzt und zudem durch Setzlinge vermehrt wird, also genetisch identisch ist, irgendwann durch eine Krankheit zusammenbricht. Hier ist, wie so oft die Vielfalt der Sorten eine Lösung. Denn dasselbe wird der gentechnisch veränderten Banane auch passieren. Pilze sind bekanntlich gut darin Resistenzen zu überwinden. Dass Bananen derzeit billiger sind als heimische Äpfel, macht für mich wenig Sinn. Und die Frage ist ja auch: Wollen wir gentechnisch veränderte Bananen essen, während das Streuobst bei uns von den Bäumen fällt?“
Hier in Witzenhausen beispielsweise liefert die „Obst-Solawiz“ wöchentlich regionales und ungespritzes Obst von Streuobstwiesen an ihre Mitglieder nach Göttingen, Kassel und Witzenhausen. Durch eine Mitgliedschaft wird zugleich auch die Pflege der Streuobstflächen finanziert, die für den Artenschutz sehr wertvoll sind.




Verwandte Artikel
Zukunft von Biogas
Wichtiger Teil der Energiewende oder Auslaufmodell? Welche Rolle kann Biogas künftig für eine verlässliche und klimafreundliche Energieversorgung spielen? Die Frage betrifft nicht nur Anlagenbetreiber, sondern auch Kommunen und Verbraucher:innen –…
Weiterlesen »
Wild, Wald und Landwirtschaft: Wie gelingt die Balance?
Wie groß das Interesse an den Themen Wald, Wild und Jagd ist, zeigte sich schon zu Beginn der Veranstaltung: Im Niemeyerhaus mussten noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Gemeinsam mit Hans-Jürgen…
Weiterlesen »
Danke an Prof. Dr. Thomas Schmid
Berührender Abschied in dieser Woche von Prof. Dr. Thomas Schmid als Präsident des Hessischen Landesamt für Naturschutz Umwelt und Geologie (HLNUG). Berührend weil damit jemand in den Ruhestand geht, der…
Weiterlesen »