Landwirtschaft bleibt Hauptverursacher der Nitratbelastung in Hessen
Bezugnehmend auf den Artikel „Nitrat: Verband gegen pauschale Auflagen“ in der Witzenhäuser Allgemeinen (HNA) vom 14. Oktober 2025 stellt Hans-Jürgen Müller, agrarpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Hessischen Landtag, klar: Die vom Hessischen Bauernverband geäußerte Kritik an „pauschalen Schuldzuweisungen“ verkennt die wissenschaftlichen Fakten. Die Ursachen der Nitratbelastung sind eindeutig und die Landwirtschaft trägt den größten Anteil.
Nach der im Auftrag des Hessischen Umweltministeriums erstellten Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen (2021) stammen in Hessen rund 89 Prozent der Nitrateinträge ins Grundwasser aus landwirtschaftlicher Nutzung. Lediglich etwa acht Prozent entfallen auf Wald- und naturnahe Flächen, drei Prozent auf urbane Quellen wie Abwasser oder Versiegelung. Die Studie kommt damit zu einem klaren Ergebnis: Die Nitratbelastung ist in erster Linie agrarbedingt.
„Der Bauernverband versucht, Verantwortung zu verschleiern, indem er von vielfältigen Ursachen spricht“, erklärt Müller. „Doch die Datenlage ist eindeutig – ohne gezielte Maßnahmen in der Landwirtschaft wird es keine nachhaltige Entlastung des Grundwassers geben.“
Diese Belastung hat spürbare Folgen für die Gesellschaft: Nach Berechnungen des Umweltbundesamts können die Mehrkosten für Trinkwasseraufbereitung in belasteten Regionen zwischen 55 und 76 Cent pro Kubikmeter liegen. Das entspricht bis zu 130 Euro Mehrkosten pro Jahr für eine Familie. „Am Ende zahlen also nicht nur die Wasserwerke, sondern alle Verbraucherinnen und Verbraucher für zu hohe Nitratwerte“, betont Müller.
Zugleich verschärft sich das Problem politisch: Mit der Abschaffung der Stoffstrombilanz im Sommer 2025 wurde das wichtigste Instrument zur verursachergerechten Kontrolle von Nährstoffflüssen gestrichen. Dadurch ist künftig kaum noch nachvollziehbar, welche Betriebe zur Überdüngung beitragen.
„Wer den Schutz des Grundwassers ernst meint, braucht Transparenz statt Verdrängung“, so Müller. „Nicht pauschale Auflagen sind das Problem, sondern das Fehlen wirksamer und gerechter Regeln für alle Betriebe.“




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