Hans-Jürgen Müller, agrarpolitischer Sprecher der GRÜNEN-Fraktion im Hessischen Landtag, kommentiert den HNA-Artikel „Chance für die Landwirtschaft“ vom 10. Januar 2022, Seite 1:
„Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Uwe Roth hat recht, wenn er sagt, dass der landwirtschaftliche Sektor sich bewegen muss, um die gesellschaftliche Akzeptanz auch zukünftig zu erhalten. Der neue grüne Landwirtschaftsminister Cem Özdemir hat bereits deutlich gemacht, dass er sich für eine klima- und tiergerechte Landwirtschaft stark machen will, die gleichzeitig auskömmlich für Bäuerinnen und Bauern ist.
Herr Roth irrt allerdings, wenn er sagt, dass durch die Förderung der ökologischen Landwirtschaft Wettbewerbsverzerrungen entstehen. Zum einen vereint der Ansatz des Ökolandbaus die dringend notwendigen Maßnahmen im Bereich Klima-, Biodiversitäts- und Tierschutz und ist damit genau das Anbausystem, was dem gesellschaftlichen Wunsch nach einer sozial-ökologischen Transformation entspricht.
Zum anderen muss darauf hingewiesen haben, dass nicht die Förderung des Ökolandbaus zu Wettbewerbsverzerrungen führt, sondern ganz im Gegenteil, aktuell ein Wettbewerbsnachteil für ökologisch wirtschafte Betriebe besteht. Denn die sogenannten externen Kosten, die die intensive Landwirtschaft verursacht, werden an der Ladentheke nicht eingepreist, sondern mittelfristig auf die Gesellschaft abgewälzt. Die ökologische Landwirtschaft schützt hingegen die natürlichen Ressourcen und verursacht daher entsprechend weniger Kosten.
Der Abschlussbericht der Zukunftskommission Landwirtschaft hat jüngst gezeigt: Die derzeitige Landwirtschaft verursacht jedes Jahr Umweltkosten von mehr als 90 Milliarden Euro, was deutlich macht, dass wir so schnell wie möglich die Ökologisierung der Landwirtschaft vorantreiben sollten. Dabei sollten wir keine Zeit verlieren und unsere Agrarpolitik endlich so ausrichten, dass eine ökologisch und sozial gerechte Landwirtschaft sich lohnt.“
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