07.03.2026
Wild und Wald im Werra-Meißner Kreis
Der Zustand unserer Wälder steht zunehmend unter Druck. Klimawandel, Schädlingsbefall, veränderte Nutzungsansprüche und der Einfluss von Schalenwild stellen Forstwirtschaft, Jagd und Naturschutz vor große Herausforderungen. Unter dem Titel „Wild und Wald – ein unlösbarer Konflikt?“ luden der Kreisverband von Bündnis 90/Die GRÜNEN und das Regionalbüro des Witzenhäuser Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Müller zu einer öffentlichen Fachveranstaltung ein. Mehr als 60 Besucherinnen und Besucher im gut besetzten Saal der Kneipe ÖX in Frankershausen nutzten die Gelegenheit zum Austausch über wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Sophie Schrank vom Kreisvorstand der GRÜNEN Werra-Meißner gemeinsam mit dem Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Müller, wald- und jagdpolitischer Sprecher der GRÜNEN im Hessischen Landtag.
Den wissenschaftlichen Auftakt gestaltete Dr. Torsten Vor von der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Göttingen. Er ordnete den Wild-Wald-Konflikt aus waldökologischer Perspektive ein und stellte aktuelle Erkenntnisse zu Waldverjüngung und dem Einfluss von Schalenwild vor. „Auch wenn manche Effekte des Schalenwilds auf die gesamte Waldvegetation als positiv bezeichnet werden können, so überwiegt doch oft der negative Einfluss auf die Baumartenmischung und die Zuwächse im Baumbestand, was im Klimawandel unbedingt zu vermeiden ist“, erklärte Prof. Vor.
Anschließend schilderte Stephan Boschen, Vorsitzender des Ökologischen Jagdvereins Hessen und Betriebsleiter von Gut Hohenhaus, die Perspektive einer ökologisch ausgerichteten Jagdpraxis und betonte die Bedeutung eines angepassten Wildmanagements für stabile und vielfältige Wälder. „Entscheidend sind dabei nicht die Zahlen zum Wildbestand, sondern der Wald selbst zeigt uns, ob eine ausgewogene Balance zwischen Wildbestand und Wald besteht“, so Boschen.
Hans-Jürgen Müller fasst zusammen: „Es ist nicht immer leicht den Konflikt zwischen den Interessen der Jagdausübungsberechtigten und der Forstwirtschaft zu lösen. Mit dem Erlass der Schalenwildrichtlinie gibt das Land Hessen einen Rahmen zur Konfliktlösung vor. Aus Grüner Sicht müsste dabei den Interessen der Forstwirtschaft mehr Geltung verschafft werden, sonst wird die Wiederbewaldung von Kalamitätsflächen und die Naturverjüngung sehr schwierig.“
Sophie Schrank betonte zum Abschluss die Relevanz der Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure, um eine Wild-Wald-Balance herzustellen: „Ein klimastabiler Wald ist Voraussetzung dafür, dass Ökosystemleistungen, wie CO2-Speicherung langfristig erfüllt werden können, aber auch das Wild ist Teil dieses Ökosystems. Entscheidend dafür ist ein Gleichgewicht, in dem Wald und Wild dauerhaft miteinander bestehen können.“




Verwandte Artikel
Anhörung bestätigt Handlungsbedarf auf Hessens Bodenmarkt: Landesregierung bleibt Antworten schuldig
Hans-Jürgen Müller, Sprecher für Landwirtschaft der GRÜNEN Landtagsfraktion, zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfs zum Schutz der bäuerlichen Landwirtschaft: „Die Landesregierung behauptet weiterhin, auf dem hessischen Bodenmarkt gebe es keinen besonderen Handlungsbedarf….
Weiterlesen »
Gentechnik-Alarm in der EU
Das Europaparlament kann den inakzeptablen Gesetzessentwurf zu Neuen Gentechniken stoppen! Die kontroversen Diskussionen auf europäischer Ebene über einen geplanten Gesetzesentwurf zu neuen Gentechnik-Pflanzen sind aktuell in der finalen Phase. Das…
Weiterlesen »
Minister Jung lässt Hessens landwirtschaftliche Betriebe im Stich
Nur heiße Luft statt echter Unterstützung Hans-Jürgen Müller, Sprecher für Landwirtschaft der GRÜNEN Landtagsfraktion, zur Regierungserklärung heute im Plenum: „In seiner Regierungserklärung hat Minister Jung einmal mehr gezeigt, dass er…
Weiterlesen »