Weniger Dialog, weniger Fachkompetenz, fatale Folgen für den Wald
Mit der neuen Schalenwildrichtlinie setzt die hessische Landesregierung ein falsches Signal für Wald und Wild. Anstatt auf einen offenen und fachlich fundierten Dialog zu setzen, wurde die Richtlinie in einem kleinen Kreis ohne die Einbindung zentraler Akteure verabschiedet. Wichtige Beiräte und Verbände, die maßgeblich an einer nachhaltigen Wald- und Wildbewirtschaftung mitwirken, wurden nicht ausreichend in den Entscheidungsprozess einbezogen.
„Mit der neuen Schalenwildrichtlinie erschwert die Landesregierung die dringend notwendige Anpassung der Wildbestände an den Lebensraum. Statt auf Fachkompetenz und Dialog zu setzen, wurde sie in einem kleinen Zirkel ohne Einbindung der zuständigen Beiräte und wichtiger Verbände erlassen. Durchgesetzt hat sich am Ende der Landesjagdverband Hessen, während einigen wichtigen Akteuren die neue Richtlinie nicht einmal für eine Stellungnahme im Vorfeld vorgelegt wurde. Die neue Richtlinie hilft weder dem Wald im Klimawandel noch dem Wild selbst!“, kritisiert Hans-Jürgen Müller, Sprecher für Jagd- und Waldpolitik der GRÜNEN Landtagsfraktion.
Die Debatte um Wald und Wild hat in den letzten Jahren zunehmend an Schärfe gewonnen. Während Waldbesitzer und Förster auf eine stärkere Bejagung setzen, um junge Bäume vor Verbiss- und Schälschäden zu schützen, verweist die Jägerschaft auf den Erhalt natürlicher Wildbestände und eine nachhaltige Regulierung. Die nun verabschiedete Richtlinie suggeriert eine Lösung für diesen Konflikt, geht aber in Wirklichkeit an den zentralen Herausforderungen vorbei.
Ein entscheidender Mangel der neuen Regelung ist die unzureichende Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Waldumbau in Zeiten des Klimawandels. Die Waldökosysteme stehen unter enormem Druck, und eine angepasste Wilddichte ist ein Schlüsselfaktor für die Wiederbewaldung und den Erhalt stabiler Mischwälder. Die neue Richtlinie setzt jedoch nicht auf eine konsequente Reduktion überhöhter Wildbestände, sondern räumt Hegegemeinschaften größere Spielräume bei der Abschussplanung ein. Damit wird die Verantwortung verlagert, ohne klare Vorgaben zur langfristigen Sicherung unserer Wälder zu machen.
Ein echter Ausgleich zwischen den Interessen von Jagd, Forstwirtschaft und Naturschutz erfordert transparente Prozesse und wissenschaftlich fundierte Entscheidungen. „Die Landesregierung muss hier nachbessern, um den Wald als lebenswichtigen Naturraum für kommende Generationen zu sichern“, fordert Müller.




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