Agrarpolitischer Stammtisch

PRESSEMITTEILUNG

20.10.2026

Biogas hat Zukunft

Energiewende und nachhaltige Landwirtschaft zusammendenken

Welche Rolle kann Biogas künftig für eine sichere und klimafreundliche Energieversorgung spielen? Darüber diskutierten rund 30 Gäste aus landwirtschaftlicher Praxis, Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit auf Einladung des grünen Landtagsabgeordneten Hans-Jürgen Müller in Schinkels Brauhaus. Bei Getränken und Bierchips gab Biogas-Experte Klaus Anduschus (SK Verbundenergie) spannende Einblicke in die Zukunft der Biogaserzeugung. Dabei entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, die besonders von konkreten Erfahrungen aus der Praxis profitierte.

Anduschus machte deutlich, wie grundlegend sich die Rolle von Biogas verändert: Während Anlagen früher möglichst gleichmäßig Strom produzierten, sollen sie künftig vor allem dann einspringen, wenn Wind- und Solarenergie nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Dafür braucht es zusätzliche Motorleistung, Gas- und gegebenenfalls Batteriespeicher. Die Umstellung ist allerdings mit erheblichen Investitionen verbunden. Da für viele Bestandsanlagen die ursprüngliche 20-jährige EEG-Förderung ausläuft, brauchen die Betriebe für notwendige Investitionen verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichende Ausschreibungsvolumina und eine angemessene Förderung der Flexibilisierung.

Anduschus unterstrich, dass bestehende Biogasanlagen einen wichtigen Beitrag zur Absicherung der Stromversorgung leisten können. Ihre Potenziale sollten bei der Diskussion über den Neubau steuerbarer Kraftwerke berücksichtigt werden.

Ein besonderer Schwerpunkt der Diskussion war die ökologische Weiterentwicklung der Biogaserzeugung. Müller sieht insbesondere im Kleegrasanbau Chancen, Energieerzeugung mit Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität zu verbinden. Zugleich wurde deutlich, dass nicht jedes Substrat für jede Anlage geeignet ist. Entscheidend sind die biologischen Prozesse, die regional verfügbaren Rohstoffe und die Wirtschaftlichkeit am jeweiligen Standort. Aus der Diskussion kam zudem der Hinweis, bei der ökologischen Bewertung nicht einzelne Kulturen, sondern ganze Fruchtfolgen zu betrachten.

„Biogas kann mehr als Strom erzeugen. Wenn wir künftig stärker auf Kleegras, Zwischenfrüchte und vielfältige Fruchtfolgen setzen, kann die Biogaserzeugung auch einen Beitrag zu Bodenfruchtbarkeit und Artenvielfalt leisten. Solche ökologischen Leistungen müssen sich für die Betriebe allerdings auch wirtschaftlich lohnen“, betonte Müller.

Auch die Nutzung der entstehenden Wärme für Wohngebäude, Betriebe und öffentliche Einrichtungen wurde diskutiert. Ob ein Nahwärmenetz sinnvoll ist, hängt wesentlich von den örtlichen Gegebenheiten und geeigneten Wärmeabnehmern ab. Biogasanlagen sollten deshalb bei der kommunalen Wärmeplanung mitgedacht werden.

„Besonders wertvoll war, dass so viele Menschen mit praktischer Erfahrung dabei waren und konkrete Beispiele eingebracht haben. Wir brauchen keine pauschalen Lösungen, sondern eine gemeinsame Strategie, die Versorgungssicherheit, wirtschaftliche Perspektiven für die Betriebe und eine nachhaltigere Landwirtschaft verbindet“, fasste Müller den Abend zusammen.

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