19.08.2026
Die Trockenheit setzt auch die Landwirtschaft in Nordhessen unter erheblichen Druck. Landesweit liegen inzwischen 61 Prozent der Grundwassermessstellen im niedrigen oder sehr niedrigen Bereich, 84 Prozent der hessischen Pegel führen weniger Wasser als im mittleren Niedrigwasser. Gerade für Ackerbau, Grünland und Tierhaltung werden ausbleibende Niederschläge damit zunehmend zum wirtschaftlichen Risiko.
Vor diesem Hintergrund ist die angekündigte Aufstockung der GAP-Direktzahlungen für 2027 kritisch zu hinterfragen. Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer will die Direktzahlungen von rund 4,1 auf 4,9 Milliarden Euro erhöhen. Die zusätzlichen Mittel sollen im Wesentlichen über die Fläche verteilt werden. Das ergibt nur wenige Euro je ha landwirtschaftliche Nutzfläche und bedient vor allem die großen flächenstarken Betriebe und verpufft bei den vielen Klein- und mittelbäuerlichen Betrieben hier bei uns im Werra-Meißner Kreis wirkungslos.
Hans-Jürgen Müller, Witzenhäuser Landtagsabgeordneter und Sprecher für die GRÜNEN im Hessischen Landtag kritisiert diese ziellose Förderung massiv: „Auch im Werra-Meißner Kreis können zwei Betriebe mit ähnlicher Flächenausstattung völlig unterschiedlich betroffen sein- abhängig von Böden, Kulturen, Tierhaltung und lokaler Wasserverfügbarkeit. Sonderkulturbetriebe mit vergleichsweise wenig Fläche können zugleich extrem hohe Schäden durch die Trockenheit erleiden, profitieren aber kaum von diesem ungerechten Gießkannenprinzip.“
Pauschale Flächenprämien können kurzfristig Einkommen stabilisieren. Sie sorgen aber nicht dafür, dass der nächste trockene Sommer weniger Schaden anrichtet. „Gerade öffentliche Mittel sollten deshalb stärker dort eingesetzt werden, wo sie Landwirtschaft dauerhaft widerstandsfähiger machen. Das gehören humusreiche und wasserhaltende Böden, vielfältigere Fruchtfolgen, Agroforst, Forschung und Beratung sowie ressourcenschonender Umgang, vor allem mit dem knapper werdenden Wasser“, erklärt Müller.
„Für den Werra-Meißner Kreis geht es auch um die Absicherung einer regionalen Lebensmittelversorgung in der sich weiter zuspitzenden Klimakrise. Akut betroffene Höfe dürfen nicht allein gelassen werden. Gleichzeitig müssen wir jeden verfügbaren Euro so einsetzen, dass Landwirtschaft auch im nächsten Dürresommer noch möglich ist und auch in 10 oder 20 Jahren noch was geerntet werden kann“, betont Müller, der selbst lange als Landwirt in Witzenhausen tätig war.




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