Wild, Wald und Landwirtschaft: Wie gelingt die Balance?

Wie groß das Interesse an den Themen Wald, Wild und Jagd ist, zeigte sich schon zu Beginn der Veranstaltung: Im Niemeyerhaus mussten noch zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Gemeinsam mit Hans-Jürgen Müller MdL und Stephan Boschen vom Ökologischen Jagdverein Hessen e. V. diskutierte Kaya Kinkel MdL am 7. September mit den zahlreichen Gästen darüber, wie ein gutes Miteinander von Wild, Wald und Landwirtschaft gelingen kann.

Ausgangspunkt war der Zustand unserer Wälder. Trockenheit und Hitze setzen ihnen zunehmend zu und machen es notwendig, unsere Wälder vielfältiger und widerstandsfähiger aufzustellen. Wild ist nicht die Ursache dieser Entwicklung. Gerade in geschwächten Wäldern kann starker Verbiss an jungen Bäumen den notwendigen Waldumbau aber zusätzlich erschweren.

Schnell wurde deutlich: Einfache Antworten gibt es nicht. Es geht weder darum, möglichst wenig Wild im Wald zu haben, noch darum, die Verantwortung allein bei den Jägerinnen und Jägern abzuladen. Waldbesitzende, Forstwirtschaft, Landwirtschaft, Jagd und Politik tragen gemeinsam Verantwortung dafür, dass Wild seinen Platz in unserer Kulturlandschaft hat und sich gleichzeitig ein gesunder und vielfältiger Wald entwickeln kann.

Diskutiert wurde deshalb auch darüber, wie wir überhaupt feststellen können, ob Wild und Wald in einem guten Verhältnis zueinanderstehen. Statt sich allein auf geschätzte Wildbestände zu verlassen, sprach sich Stephan Boschen dafür aus, stärker darauf zu schauen, was vor Ort tatsächlich passiert: Welche jungen Bäume wachsen nach? Wo gibt es starken Verbiss? Und wo gelingt die natürliche Verjüngung des Waldes?

Auch bei der Jagd selbst gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Diskutiert wurden beispielsweise intensive Jagdphasen mit anschließenden längeren Ruhezeiten, unterschiedliche Jagdschwerpunkte innerhalb eines Reviers und die Frage, wie mehr Verantwortung direkt vor Ort übernommen werden kann. Dabei ging es immer wieder auch darum, die Bedürfnisse der Wildtiere selbst im Blick zu behalten.

Besonders erfreulich war die Art der Diskussion. Jagd und Wildmanagement sind Themen, bei denen unterschiedliche Interessen und Überzeugungen schnell hart aufeinandertreffen können. Im Niemeyerhaus wurde dagegen sehr fachkundig, offen und respektvoll diskutiert – auch dort, wo die Einschätzungen auseinanderlagen. Viele Jägerinnen und Jäger, Menschen aus Land- und Forstwirtschaft sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger brachten ihre Erfahrungen ein.

Kaya Kinkel: „Für mich hat der Abend vor allem gezeigt: Wir kommen nicht weiter, wenn wir die Verantwortung einer einzelnen Gruppe zuschieben. Wir brauchen Jägerinnen und Jäger, die Verantwortung für angepasste Wildbestände übernehmen. Wir brauchen Waldbesitzende und Forstleute, die Lebensräume und Wälder gut entwickeln. Und wir brauchen eine Landwirtschaft und eine Politik, die ihren Teil beitragen. Genau deshalb war mir diese sachliche und respektvolle Diskussion so wichtig.“

Am Ende stand deshalb weniger eine einfache Antwort als eine gemeinsame Erkenntnis: Wild, Wald und Landwirtschaft müssen zusammengedacht werden. Lösungen entstehen am besten dort, wo die Beteiligten miteinander statt übereinander reden und gemeinsam Verantwortung für ihre Landschaft übernehmen.

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